Bosch setzt voll auf Wasserstoff

Zukunft der Nutzfahrzeuge

Bosch setzt voll auf Wasserstoff

16. November 2023, agvs-upsa.ch – Bei schweren Nutzfahrzeugen für den Fernverkehr wird es nur mit Batterien kaum gehen und darum auch in Richtung Wasserstoff laufen. Das sagen Fachleute – und Bosch: Der grösste Autozulieferer der Welt glaubt an die Brennstoffzelle und hat bereits die Serienfertigung eingeläutet. Timothy Pfannkuchen


Auf in die Wasserstoff-Zukunft: Im Oktober hat Nikola in den USA mit der Produktion von schweren Zugmaschinen (oben) mit Brennstoffzellenantrieben begonnen. Diese entwickelt und fertigt Bosch (unten). Fotos: Bosch/Nikola Motors

Jahrzehntelang sollten Nutzfahrzeuge vor allem nur eines sein: robust. Doch wie die Auto- ist auch die Camion-Welt rasant im Wandel: Die Transportbranche soll sauber und nachhaltig werden. Mittendrin als einer der wichtigsten Player: die Robert Bosch GmbH, gegründet im Geburtsjahr des Autos (1886), grösster Autozulieferer der Welt und einer der grossen Fahrzeugtechnik-Entwickler. Bosch setzt jetzt im LKW-Bereich voll auf Wasserstoff (H2) und erwartet, dass 2030 jedes fünfte neue Nutzfahrzeug über sechs Tonnen mit einer Brennstoffzelle daherkommt. Das Investitionsvolumen in die Technik 2021 bis 2026: fast 2,5 Milliarden Euro. 

Die Fortschritte sind unübersehbar: Bereits 2021 fuhren erste LKW mit Bosch-Brennstoffzelle. Schliesslich hat der brennstoffzellenelektrische einen entscheidenden Vorteil gegenüber dem batterieelektrischen Antrieb: hohe Reichweite, schnelles Tanken – perfekt für den Fernverkehr (mehr zur Brennstoffzelle siehe blauen Kasten am Ende des Artikels). 



Kompakt-robustes Modulsystem
Das Herzstück von Boschs Brennstoffzellen-Technologie ist das grössenskalierbare Fuel-Cell-Power-Modul. Diese kompakte Einheit umfasst den Brennstoffzellen-Stack und alle Subsysteme, was neben einer optimalen Leistung höchste Robustheit sicherstellen soll. Und Flexibilität: Das System kann in vielen Nutzfahrzeug-Segmenten eingesetzt werden und bietet eine breite Palette von Modulen, Komponenten und integrierten Systemen. Bosch kooperiert weltweit. Ein Beispiel ist etwa die Zusammenarbeit mit dem Tesla-Konkurrenten Nikola aus den USA: In den diesen Herbst lossummenden Fernverkehrs-Trucks des Start-ups stecken Fuel-Cell-Power-Module von Bosch. Parallel zu Deutschland entsteht eine Fertigung in China und ist zudem eine in den USA geplant. Damit positioniert sich Bosch beim Wasserstoff an vorderster Front und setzt Zeichen für die Branche, die nicht zuletzt wegen Gesetzen ökologische und doch wirtschaftliche Lösungen suchen muss.


Alles aus einer Hand: Bosch bietet von den neuen Starterbatterien bis hin zur Hupe fast alles. Foto: Bosch

Innovation trifft auf Tradition
Aber Bosch wäre nicht Bosch, würde vor lauter Zukunft die Gegenwart vergessen. Drei aktuelle Beispiele: Weil heutige Camions eine durchgängige Energieversorgung brauchen, hat Bosch leistungsfähigere neue Starterbatterien entwickelt. Mit AGM- und EFB-Technologien sind jene laut Bosch noch rüttelfester, vertragen mehr Ladezyklen und sind resistenter gegen Tiefentladung. Bei Lenksystemen bietet Bosch Support und Diagnose, Serviceanleitungen und schnell verfügbare Ersatzteile in Erstausrüsterqualität. Und bei der Klimakontrolle in Nutzfahrzeugen ist das Klimaservicegerät ACS 810 ein Beispiel, wie das tägliche Handwerkszeug technologisch zulegt, aber trotzdem benutzerfreundlich bleibt: Innovation trifft Tradition.
 
Die Brennstoffzelle – eine Basler Erfindung
Wasserstoff als Energieträger kann zwar auch wie Benzin oder Diesel im Motor verbrannt werden. Aber der Aufwand ist hoch, weil der flüchtige, kaum schmierende Wasserstoff perfekte Dichtheit und teure Materialien erfordert. Deshalb, wegen des Elektromotoren-Zeitalters und des höheren Wirkungsgrades, setzt die Branche auf die wasserstoffbetriebene Brennstoffzelle, deren Prinzip Christian Friedrich Schönbein 1838 in Basel erdacht hat. Ein Brennstoffzellen- ist ein Elektrofahrzeug, nur eben mit Brennstoffzelle statt Akku als Energielieferant. In der Brennstoffzelle reagieren ein Brennstoff (meist Wasserstoff) und ein Oxidator (meist Sauerstoff aus der Luft) in den aus je zwei Elektroden und Membran dazwischen bestehenden, hunderten von Stacks chemisch – und erzeugen so Strom. Nachteil der «kalten Verbrennung»: Durch den «Umweg» über H2 ist der Wirkungsgrad schlechter als bei E-Antrieb mit Akku. Noch fehlen Tankstellen (Schweiz derzeit 15) und «grüner» Wasserstoff im grossen Stil. Aber die Vorteile bestechen: Tanken wie mit Sprit, hohe Reichweite, mit «grünem» H2 hoch ökologisch – und als «Abgas» nur Wasserdampf.
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