Erfolgreiches Nachrüsten von VW-Dieseln

19. Mai 2020 agvs-upsa.ch – Mit Abgasmessungen vom Strassenrand aus konnte ein Team der University of York und der Empa beweisen: Die erzwungene Nachrüstung tausender VW-Dieselmotoren erspart der Umwelt in ganz Europa erhebliche Mengen an Stickoxiden (NOx).

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Einer der EA 189-Motoren wird mit einer Hardwarenachrüstung versehen. Quelle: VW

pd. Im Zuge der Dieselthematik, von den rund 11 Millionen Fahrzeuge des VW-Konzerns weltweit betroffen waren, mussten in vielen Ländern die EA 189-Motoren mittels Software- oder Hardware-Update nachgerüstet werden. Nun – knapp fünf Jahre danach – zeigt eine Untersuchung der University of York und der Schweizerischen Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt Empa: Die Nachrüstung war unter Umwelt-Gesichtspunkten erfolgreich. Nachgerüstete VW-Diesel stossen im Alltag bis zu einem Drittel weniger gesundheitsschädliche Stickoxide aus als vor der Umrüstung. Stuart Grange arbeitet in der Abteilung Luftfremdstoffe/Umwelttechnik der Empa und zugleich in den Wolfson Atmospheric Chemistry Laboratories der University of York. Gemeinsam mit seinen Kollegen untersuchte er in England die Abgasfahnen von rund 23’000 vorbeifahrenden Autos und analysierte den Gehalt an NOx und CO2. Die Messungen fanden zwischen Mai 2012 und April 2018 statt – also in der Zeit vor und nach dem Abgasskandal.
 
Die Messergebnisse zeigen einen deutlichen Effekt: Die NOx-Emissionen der 1.6-Liter-Motoren der EA 189-Baureihe gingen um mehr als 36 Prozent zurück. Für diesen Motor hatte VW eine Software- und Hardware-Nachrüstung angeboten; zusätzlich zum Software-Update wurde im Ansaugtrakt des Motors ein kleines Zusatzbauteil montiert, das den Luftmassensensor exakter arbeiten liess. Beim grösseren 2.0-Liter-Motor wurde nur die Software nachgebessert. Hier sanken die gemessenen NOx-Emissionen im Durchschnitt um knapp 22 Prozent. Die Verbesserungen bei jedem einzelnen Fahrzeug waren sogar noch grösser: In Grossbritannien waren die Nachrüstungen der Motoren freiwillig und wurden nur von rund 70 Prozent der Besitzer in Anspruch genommen. Es fuhren also auch eine gewisse Anzahl nicht nachgerüsteter Diesel am Messgerät vorbei und verschlechterten damit den Durchschnittswert.
 
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Der VW Passat TDI war eines der Modelle, die mit dem EA 189-Motor ausgeliefert wurden. Quelle: VW

Bei den Nutzfahrzeugen mit EA 189-Motor – also VW Caddy und VW Transporter – fielen die Ergebnisse weniger eindrücklich aus. Beim 1.6-Liter-Diesel waren die NOx-Werte nur um 22 Prozent besser (verglichen mit 36 Prozent bei Personenwagen), beim 2.0-Liter-Diesel fielen die Ergebnisse gar um 53 Prozent schlechter aus als zuvor. Die Forscher vermuten, dass deutlich weniger Nutzfahrzeug-Betreiber die freiwillige Nachrüstung vornahmen und daher ein höherer Anteil Fahrzeuge mit alter Software durch die Messstationen fuhr.
 
In der Schweiz war die Umrüstung der EA 189-Motoren verpflichtend vorgeschrieben. Nach Angaben von Amag-Unternehmenssprecher Dino Graf sind inzwischen alle Fahrzeuge – sowohl Nutzfahrzeuge als auch PW – umgerüstet. Noch immer werden in vielen Städten Europas die NOx-Grenzwerte überschritten. Doch je nach Land sind nur zwischen 30 und 90 Prozent der VW-Diesel nachgerüstet worden. Da Fahrzeuge des VW-Konzerns weit verbreitet sind, könnte eine verpflichtende Nachrüstung – wie in der Schweiz – sicher noch Verbesserungen mit sich bringen. An anderer Stelle hat der Gesetzgeber bereits nachgeschärft: Heutige Fahrzeuge müssen den strengeren WLTP-Abgastest bestehen. Die Abgase werden im Labor bei 23 und bei 14 Grad Celsius gemessen, bei Messfahrten auf der Strasse sind Aussentemperaturen bis zu -7 Grad erlaubt. Ein Auto, das im Winter deutlich mehr NOx ausstösst, bekäme also heute keine EU-Zulassung mehr.
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